Asmus Bremer und seine Frau Catharina kennt eigentlich jedes Kind in Kiel. Nicht zuletzt Dank des Kieler Umschlags ist der Sohn des Schusters Heinrich Bremer als besonders volksnaher Bürgermeister immer noch sehr bekannt.

Doch was ist mit den Personen, die die 'Asmus Bremer Gruppe' genannt werden und ihn ständig bei seinen Auftritten und Streifzügen während des Kieler Umschlags begleiten?
Allesamt stellen sie, bis auf eine Ausnahme, Charaktere aus dem Kieler Volk dar, die auch während der Amtszeit von Asmus gelebt haben könnten.

Mit dieser Ausnahme wollen wir auch gleich anfangen, es handelt sich hierbei um Ernst, unseren Polizisten aus der Kaiserzeit. Er stellt quasi das Bindeglied zur Neuzeit her. Ein unentbehrlicher Helfer für Asmus, wenn es darum geht, ihm Platz zu schaffen oder die ganze Gruppe gefahrlos durch den modernen Verkehr zu bringen. Die wichtigsten Erkennungsmerkmale sind neben der Pickelhaube die immer blütenweißen Handschuhe, sein Monokel und seine Trillerpfeife, die zum Erstaunen aller, auch auf die heutigen Autofahrer augenblickliche Wirkung zeigt.

'Stutendeern' Elfi hat nichts mit Pferden zu tun, sondern sie stellt eine Händlerin dar, die mit ihren Brotlaiben (Stuten) über Land und durch die Stadt zog, um sie zu verkaufen.
Bäckereifachgeschäfte gab es damals noch nicht, und wer nicht selber Brot backen wollte, musste guten Kontakt zur Stutendeern halten. Wenn Sie ihr begegnen, fragen Sie nach einer Kostprobe des Kieler Umschlagsbrotes. Sie führt immer etwas davon mit, um Sie auf den Geschmack zu bringen.

Eine Kostprobe von diesem Mann würden Sie sicher nicht so ohne weiteres mögen, dennoch repräsentiert der Fischer Wolfgang einen sehr wichtigen und bekannten Nahrungslieferanten der Kieler Stadtbevölkerung.
Die Fischerei ermöglichte erst das rasante Wachstum Kiels durch die Sicherung der Grundversorgung mit dem damals noch reichlich vorhandenen Fisch aus der Ostsee und der Förde. Aber heutzutage hat durch seine Knappheit der Fisch das Ambiente des 'arme Leute Essens' schon lange verloren. Wer Interesse daran hat, wird in Kiel im Schiffahrtsmuseum, der alten Fischauktionshalle, sicher fündig.

Natürlich hatte die Stadt Kiel im 17. Jahrhundert auch die als 'Pfeffersäcke' bekannten Kaufleute. Mit dem Beitritt zum Städtebund der Hanse etablierten sich auch bei uns die mächtigen und reichen Gewürz(Pfeffer)- händler. Die Nachkommen von Peter, einem dieser gierigen Pfeffersäcke, werden allerdings ihrem historischen Ruf nicht mehr gerecht, denn zum Teil wird der Umschlag heute aus den Mitteln und Spenden verschiedener kleiner und großer Kaufleute aus Kiel finanziert, so finden sich allein zum Sponsoring des Umschlagsbrautpaares mehr als 8 Kieler Firmen zusammen!

Der Stadtschreiber Stefan stellt eine weitere wichtige Person dar, eigentlich eine weitere Verkörperung von Asmus, denn Bürgermeister Asmus Bremer war der Erste, der ein alphabetisches Verzeichnis der Dokumente und Korrespondenzen anlegte und aus dieser gründlichen Kenntnis der Akten dann seine berühmte "Chronicon Kiliense tragicum-curiosum 1432-1717" schrieb, die eine Sammlung sensationeller Konflikte und Straffälle aus Kiel enthält. Leider haben nachfolgende Bürgermeister nicht immer solch grossen Gefallen an der Archivierung gefunden.

Die Bürgerin Emma verkörpert eine der damals häufig vorhandenen Witwen, die, wenn kein Vermögen vorhanden war, sehr schnell im Armenhaus landeten. Männer verloren ihr Leben in Kriegen, im Beruf oder starben noch an vielen Krankheiten und ließen häufig Frau und Kinder zurück. Ein Verdienst unseres Asmus war es, das er gerade in sozialen Belangen für seine Zeit als sehr fortschrittlich galt und diese nicht ihrem Schicksal überließ, sondern immerhin im Armenhaus Asyl für sie bot.

VerLAUTbarungen fanden und finden immer noch ihr Gehör, wenn der Stadttrommler Eric dafür sorgt. Er marschiert der Gruppe immer voraus und zeigt, wo es lang geht. Wenn er seine Trommel einsetzt, wird es schnell um ihn herum sehr leise, so dass der "Bürgermeister" unter nur unwesentlichem anheben der Stimme seine Ansprachen an das gemeine Volk richten kann. Ausserdem ist die Trommel eine prima Begleitung, wenn es gilt, das Umschlagslied a capella erklingen zu lassen.

Ein Jahr ohne Kieler Umschlag, das ist für Heide kaum vorstellbar. Seit 31 Jahren verkörpert sie die Marktfrau im Tross von Asmus Bremer, ist damit die Dienstälteste im Gefolge. Als 1980 der damalige Asmus Bremer, Heinz Busch, Heide Schreiber um Mitarbeit im Umschlag-Gefolge bat, musste sie nicht lange überlegen: „Marktfrau, das passt zu mir – nicht nur wegen meiner stabilen Figur“. So eine Art Landfrau war sie schließlich schon in ihrer Jugend, arbeitete lange Jahre in der Landwirtschaft. In dieser Zeit wurde auch „Plattdüütsch“ zur zweiten Muttersprache und es ihr ein Bedürfnis, diese Sprache zu erhalten, und als Dozentin für Plattdeutschkurse gibt sie Unterricht an der Volkshochschule Kiel.

Der Darsteller des Mönchs, Bruder Adolf, vielen Kielern nicht nur aus der Asmus Bremer Gruppe, sondern auch als Vermittler von spannendem Geschichtswissen bekannt, hat schon unzählige Schulklassen bei Sonderführungen zum Kieler Umschlag mit lebendiger Stadtgeschichte begeistert. In den historischen Räumen des Kieler Klosters machen Bruder Adolf und pädagogische Mitarbeiter durch ein kreatives Angebot für Schulklassen Stadtgeschichte spannend und erlebbar. Die ältesten Räume Kiels werden zum Medium, das die Kinder selbst "erforschen“ können.