Der Kieler Umschlag ist ungefähr Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden. 1431 wird Kiel zumindest schon in der herzoglicher Urkunde als Termin Ort für adlige Schuldvertreibungen genannt. 1482 gibt es Nachweise in Urkundenform, im Kieler Rentenbuch. Schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts war der Umschlag eine bedeutende Einrichtung des Landes. Der Adel machte den Umschlag zu einem zentralen Geldmarkt, auf dem sogar Hamburger und Lübecker Geldgeschäfte tätigten. Wichtig war, dass dieser Markt/Umschlag an einem bestimmten Ort und zu einer festgelegten Zeit (Januar) stattfand.

Asmus Bremers genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt, 1652 begann jedoch die Kieler Nikolaikirche mit dem Führen eines Taufregisters, in welchem Asmus Bremer nicht eingetragen ist. Bekannt ist, dass er 1670 begann, an der Kieler Christian-Albrechts-Universität Jura zu studieren und danach Richter wurde. 1702 wurde er zum Bürgermeister von Kiel gewählt.
Der Sohn des Schusters Heinrich Bremer galt als besonders volksnaher Bürgermeister. Eine Plastik am nach ihm benannten Asmus-Bremer-Platz in der Kieler Holstenstraße erinnert an ihn. Er sitzt dort auf einer Bank, "mitten unter dem Volk, wo auch zu seiner Regierungszeit sein Lieblingsplatz war." Während seiner Amtszeit versuchte Asmus Bremer, Kiel wirtschaftlich zu stärken indem er die Stadt als wichtige Hafenstadt etablierte. Heute sind Asmus Bremer und seine Frau die Haupt-Symbolfiguren des Kieler Umschlags.

Der Umschlag wurde mit Hissen der Fahne (im Volksmund: „Bürgermeester sin Büx“) vom Turm der Nikolaikirche eröffnet. Die Erlaubnis, dass die Marktfahne vom Turm der Nikolaikirche gehisst wurde, zeigt, dass die Kirche sich nicht abseits dieses weltlichen Ereignisses stellte. Die Fahne war ein viereckiges, rot angemaltes Schild aus Eisen, dass das Wappen der Stadt trug.
Mit den Geldgeschäften war auch der Brauch des „Einlagers“ verbunden. Es traf jeden Schuldner, der seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen war. Dem im „Einlager“ zwecks Zahlungserzwingung Festgehaltenem drohte außer Haft, oftmals auch noch das „Schandgemälde“. Der Gläubiger war berechtigt, eine Karikatur des Schuldners anfertigen und aushändigen zu lassen. War ursprünglich der Umschlag nur ein Termin „zur Abmachung von Verbindlichkeiten“, so wurde er später auch zu einem überregionalen Markt. Er fand auf und um den Alten Markt statt, in den Hallen des Rathauses und in den Buden der Holstenstraße. Selbst auf dem Kirchhof und in der Nikolaikirche wurden Waren feilgeboten.
Neben dem Geld- und Warenmarkt gab es auch den Vergnügungsmarkt. Er bot einfache Volksbelustigungen, aber auch ernsthaftere Unterhaltungen. „Glückstöpfer“ (Losverkäufer), Seiltänzer, Zahnbrecher und Komödianten waren in Kiel sehr beliebt.
Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts (Kiel wurde Großstadt), waren auch das vorläufige Ende des nun nicht mehr zeitgemäßen Kieler Umschlags. Läden verdrängten den Warenmarkt und die Geldgeschäfte wurden nicht mehr auf die „alte“ Art abgewickelt. Es blieb eigentlich nur noch der Vergnügungsmarkt. Aber auch dieser wurde zunehmend ins Abseits geschoben. 1900 wurden von der Polizei Singspiele aus den Programmen gestrichen. Mit dem Umschlagstingeln ging es nun langsam vorbei.